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Manne Lucha, Minister für Soziales und Integration, besucht MedicalMountains


Tuttlingen – Der Minister für Soziales und Integration, Manne Lucha, hat jüngst die Clusterinitiative MedicalMountains besucht. „Sie haben den Kompetenznachweis gebracht, die Leute zusammen zu bringen – Sie tun genau das, was eine Clusterinitiative leisten soll“, sagte Lucha, der das Treffen mit MedicalMountains während seiner Sommertour selbst initiiert hatte. Bei dem Treffen diskutierte er mit der Vorsitzenden Yvonne Glienke, IHK-Präsident Dieter Teufel, TechnologyMountains-Vorsitzendem Dr. Harald Stallforth und Landrat Stefan Bär über die aktuelle Situation in der Medizintechnik-Branche.

Teufel betonte, dass viele Innovationen aus Tuttlingen kommen; im Landkreis würden neun Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung gesteckt werden, landesweit seien es nur fünf Prozent. Allerdings erhöhen sich die regulatorischen Anforderungen durch die neue Medizinprodukteverordnung der Europäischen Union – für kleine und mittlere Unternehmen sei dies eine große Herausforderung für relativ einfache Produkte. „Das macht uns Sorge“, sagte Teufel. Der Patient müsse wohl künftig länger auf Innovationen warten.
 
Yvonne Glienke stellte das Portfolio der Clusterinitiative vor, spannte den Bogen von den Anfängen der Medizintechnik bis hin zu einem Cluster mit über 400 Unternehmen in der Region. „Bevor überhaupt der Begriff des Clusters geprägt war, lebten die Unternehmen bereits in einem solchen Netzwerk.“ Stallforth erinnerte daran, dass die Unternehmen noch vor einigen Jahren nicht miteinander gesprochen hätten, weder geschäftlich noch privat. Umso beeindruckender sind die Ergebnisse von MedicalMountains, dem Yvonne Glienke seit seiner Gründung vor fünf Jahren vorsteht. Besonders beim Kampf um die neue Medizinprodukteverordnung der EU hat das Cluster Zusammenhalt und Stärke bewiesen. „Es ist bemerkenswert, dass die großen Unternehmen gemeinsam mit den kleinen an einem Strang ziehen und sich nicht ausgeklinkt haben, obwohl die Interessenlage durchaus unterschiedlich ist“, konstatierte Teufel.
 
Obwohl es MedicalMountains gemeinsam mit der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg gelungen ist, Einfluss auf das europäische Gesetzgebungsverfahren zu nehmen, so hat die Medizinprodukteverordnung bereits im Vorfeld negative Folgen in der Branche. Eine Befragung hat ergeben, dass die Audits (Überprüfungen) von sogenannten benannten Stellen Mehrkosten von durchschnittlich 8.000 Euro pro Unternehmen verursacht haben. In der Folge haben 74 Prozent der Betriebe ihr Produktportfolio bereits reduziert oder werden dies tun, 64 Prozent werden keine neuen Produkte mehr auf den Markt bringen – die befürchtete Innovationsbremse für kleine Unternehmen. „Das müsste eigentlich ein Warnsignal für die Politik sein! Sie müssen jetzt reagieren, nicht erst in drei Jahren“, appellierte Landrat Bär. Minister Lucha, der die Medizintechnik als einen Schrittmacher für den Wohlstand in Deutschland bezeichnete, vertrat die gleiche Meinung: „Es ist ein Unterschied, ob ich ein Implantat oder ein einfaches Werkzeug zu überprüfen habe. Wo wir Chancen haben, in den Dialog zu treten, nehme ich den Auftrag gerne an.“



Bild: Minister Manne Luche (Mitte) im Gespräch mit IHK-Präsident Dieter Teufel, TechnologyMountains-Vorsitzendem Dr. Harald Stallforth, MedicalMountains-Vorsitzender Yvonne Glienke und Landrat Stefan Bär (von links).