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Medizintechnik international und digital – weiterer Workshop mit Unternehmen aus USA


Tuttlingen. Internationale Kooperationen versprechen dann den größten Erfolg, wenn Spitzencluster ihre Kompetenzen bündeln. Genau diesen Prozess hat die Tuttlinger Clusterorganisation MedicalMountains AG jetzt mit einem Workshop im Hofgut Hohenkarpfen initiiert: Vertreter hochkarätiger Forschungseinrichtungen und führender Unternehmen aus der Metropolregion Minneapolis-St. Paul (USA) erarbeiteten zusammen mit Spezialisten heimischer Medizintechnikunternehmen zwei Tage lang gemeinsame, zukunftsweisende Projekte.
Tuttlingen gilt als Weltzentrum der Medizintechnik, die Region Minneapolis-St. Paul als führendes Cluster für sogenannte additive Verfahren. Bekannteste Technik aus diesem Bereich ist der 3D-Druck, es existieren aber zahlreiche weitere additive Herstellungsverfahren. Für Yvonne Glienke, Vorstand der MedicalMountains, ist bereits heute absehbar, dass additive Fertigungstechnologien hohe Bedeutung in der Medizintechnik erlangen werden. „Für Unternehmen stellt sich die Frage: Welches Verfahren und welches Material eignen sich für meine Applikation am besten“ führte sie in die Aufgabenstellung ein.

Exakte Antworten darauf zu finden fällt leichter, „wenn man mit erfahrenen Partnern gemeinsam nach Antworten sucht“ verweisen die Projektleiterinnen Britta Norwat und Riikka Niemelä auf die Vorteile umfassender Vernetzung. Dass dringender Handlungsbedarf besteht führte Dr. Stephan Richter, Institut für Innovation und Technologie Berlin, in seiner Keynote aus: Neben der Automobilindustrie und dem Maschinenbau werden gerade in der Medizintechnik additive Verfahren genutzt, weil sich so auch komplizierte Teile in einem Arbeitsgang herstellen lassen und hohe Effizienz auch bei kleinen Losgrößen erreicht wird.

Gerade die Individualisierung von Implantaten eröffne riesige Chancen, führte Richter aus: Schon heute gebe es Zähne, Adern, Ohrmuscheln und Herzklappen auf dem Markt, die additiv aus biokompatiblen Werkstoffen hergestellt werden. Der Wissenschaftler verwies auf einen neu entstehenden Markt: Daten aus bildgebenden Verfahren können in 3D-Drucke überführt werden, Operateure so im Vorfeld etwa bei einem komplizierten Knochenbruch vor der eigentlichen Operation am gedruckten Modell eine Strategie entwickeln und Operationsschritte auf ihre Machbarkeit überprüfen.
„Im Rahmen des Workshops wird deutlich, dass es eine Reihe vielversprechender Anknüpfungspunkte gibt und durch die gegenseitige Ergänzung der jeweiligen Clusterkompetenzen neue Trends schnell aufgegriffen werden können“, freut sich Jennifer Erickson von der Wirtschaftsentwicklung Greater MSP aus Minnesota. Für die Umsetzung werden in den kommenden Wochen und Monaten Projekte aufgesetzt, die nun en detail ausgearbeitet werden. „Die Medizintechnikunternehmen aus der Region können damit schneller, sicherer und preiswerter zu Ergebnissen gelangen, die sie alleine kaum erreichen könnten“ sieht Yvonne Glienke in der Zusammenarbeit eine besonders nachhaltige Form konkreter, regionaler Wirtschaftsförderung. Sie wird durch die finanzielle Förderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) möglich. MedicalMountains hatte einen überzeugenden Antrag eingereicht und ist als eines von nur elf Projekten in der Bundesrepublik ausgewählt worden.
 
Im März hatte es bereits an gleicher Stelle einen Workshop mit finnischen Gästen aus Oulu gegeben, bei dem die Digitalisierung der Medizintechnik im Fokus stand und eine ganze Reihe von Projekten initiiert worden waren. Somit adressiert MedicalMountains zwei Schlüsselthemen für eine erfolgreiche Zukunft. Die nun Fahrt aufnehmenden Projekte unter dem Namen MInD (Medical Technology International and Digital) wird in den nächsten zwei Jahren innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte auf den Weg bringen. Für die Umsetzung haben die Unternehmen dann drei Jahre Zeit und können weitere Fördergelder des BMBF beantragen.


Die us-amerikanischen und deutschen Teilnehmer des Workshops vor der Kulisse des Hohenkarpfens, Bild: MedicalMountains