Was ein Olivenkern mit Innovationen zu tun hat
Manfred Lucha auf Sommer- und Abschiedstour bei der KLS Martin Group: „Spirit“ des Fortschritts beeindruckt

Tuttlingen – Mehrfach war von „Pionieren“ die Rede, als Manfred Lucha, baden-württembergischer Minister für Soziales, Gesundheit und Integration, bei der KLS Martin Group in Tuttlingen zu Gast war: Der Medizintechnik-Hersteller treibt mit Simulation, Augmented Reality und künstlicher Intelligenz Innovationen voran – und auch mit Biss.
Was geschieht, wenn jemand auf einen Olivenkern beißt? Die punktuelle Krafteinwirkung bereitet dem oder der Betroffenen vielleicht Zahnschmerzen, den Simulationsexperten bei der KLS Martin Group aber kein Kopfzerbrechen mehr. Solche Alltagssituationen fließen mittlerweile in die Planung von sonderangefertigten Implantaten für die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ein. Kauvorgänge lassen sich im Grunde beliebig oft „in silico“ durchspielen. So lange, bis alle potenziellen Schwachstellen am Implantat erkannt und behoben sind – die am digitalen Zwilling gewonnen Erkenntnisse auf den realen Patienten übertragen werden können.
Anwendungen wie diese ließen Manfred Lucha aufhorchen. Auf Vorschlag der MedicalMountains GmbH besuchte er die KLS Martin Group bei seiner Sommer- beziehungsweise Abschiedstour. Da er nach der kommenden Landtagswahl kein Ministeramt mehr anstrebe, war es ihm ein Anliegen, „Danke zu sagen für den Pioniergeist“ hier und bei weiteren Medizintechnik-Unternehmen – das Land werde stets versuchen, diesen „Spirit politisch zu begleiten“. Baden-Württemberg sei eines der aktivsten Bundesländer, wenn es um die europäische Medizinprodukte-Verordnung MDR oder das Gesundheitsdatennutzungsgesetz gehe. „Die Ziele, die Sie artikulieren, sind auch unsere Ziele“, so Lucha.
Der „Spirit“ der KLS Martin Group manifestierte sich in mehreren weiteren Beispielen. So kann bei extremen Fällen von Schlafapnoe eine Verlagerung des Ober- und Unterkiefers in Betracht gezogen werden. Aus Luftströmung und -Geschwindigkeit, Druck und Geometrie lassen sich mögliche Störungen simulieren und daraus eine Diagnose ableiten – und in nicht allzu ferner Zukunft auch Vorhersagen treffen, wie sich die Atmung nach einem operativen Eingriff ändern wird. Künstliche Intelligenz kommt bei der KLS Martin Group zum einen bei der Auswertung von CT-Scans zum Einsatz. Bis vor kurzem mussten auf den einzelnen Schichtbildern Elemente wie Knochen, Muskeln oder Nerven manuell zugeordnet werden. Trainiert mit repräsentativen Datensätzen, unterstützt die KI nun effektiv den Prozess. Des Weiteren eröffnen KI-gestützte Anwendungen künftig zahlreiche Möglichkeiten zur Optimierung sämtlicher Prozesse rund um chirurgische Instrumente im Krankenhaus. Ebenso wird bei Augmented Reality weiter geforscht. Ziel ist, die aus OP-Planung, Simulation und KI gewonnen Daten durch die Brille zu visualisieren, sodass die Chirurgen oder Patienten sämtliche Informationen vor Augen haben.
Die KLS Martin Group peilt im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 600 Millionen Euro an, informierte Managing Director Michael Martin. Zu denken gab ihm indes, dass der Personalbestand in nicht primär wertschöpfenden Bereichen prozentual stark gewachsen sei. Darin spiegle sich der immense, vielfältige bürokratische Aufwand wider, mit dem Medizintechnik-Unternehmen in Deutschland zu kämpfen haben – in einem zunehmend herausfordernden internationalen Umfeld. Wettbewerber vor allem aus Asien drängten mit durchaus guten, billigeren Sortimenten auf den Markt. Ein Grund mehr für Michael Martin, in Innovationen zu investieren: „Mit Standardprodukten wird es im Export zunehmend schwieriger werden.
Auf dem Foto zu sehen sind (vordere Reihe, von links):
Kathrin Gailfuss (Executive Consultant, KLS Martin),
Dr. Monika Hengstler (Director Marketing & Corporate Communications, KLS Martin),
Michael Martin (Managing Director, KLS Martin),
Julia Steckeler (Geschäftsführerin der MedicalMountains GmbH),
Manfred Lucha (Minister für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg),
Niko Reith (FDP-Abgeordneter aus dem Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen, Sprecher für Wirtschaft und Soziales);
hintere Reihe, von links:
Dr. Lukas Buschle (Senior Engineer – Research and Artificial Intelligence, Individual Patient Solutions, KLS Martin),
Michael Mey (Senior Product Manager Craniomaxillofacial, KLS Martin),
Moritz Küssner (Product Manager Craniomaxillofacial, KLS Martin),
Johannes Gulde (Senior Director Division Surgical Instruments & Tray Systems, KLS Martin).