Premiere von „Tech & Tacheles“: Klartext an die und aus der Politik
Mit der CDU-Bundestagsabgeordneten Maria-Lena Weiss entwickelt sich in Tuttlingen eine offene Diskussion

Tuttlingen – Der Titel war Programm: Beim ersten „Tech & Tacheles“ mit MedicalMountains-Geschäftsführerin Julia Steckeler und der CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Maria-Lena Weiss entspann sich ein offener Dialog über Politik und Perspektiven – ergänzt um Klartext aus Reihen der teilnehmenden Medizintechnik-Unternehmen.
Dass Julia Steckeler und Maria-Lena Weiss von Beginn an das vertraute Du pflegten, liegt an ihrer Vita: Beide machten im Jahr 2000 am Otto-Hahn-Gymnasium in Tuttlingen ihr Abitur. Die Abgeordnete ist daher mit dem Standort vertraut. Sie gehört im Bundestag dem Ausschuss für Wirtschaft und Energie an und ist im Gesundheitsausschuss Berichterstatterin ihrer Fraktion für Medizinprodukte. Letztere Rolle hat an Bedeutung gewonnen: Die Medizintechnik sei „als Leitwirtschaft erkannt“, erinnerte Maria-Lena Weiss, und nun auch Titel-Bestandteil des bislang reinen „Pharmadialogs“ zwischen Ministerien, Wissenschaft, Verbänden und Unternehmen.
Ihre Arbeit als Berichterstatterin biete „die größte Chance, etwas zu verändern“, so Maria-Lena Weiss – auch wenn einige Hürden im Weg stehen, allen voran regulatorischer Natur. Beispiel Gesundheitsausschuss. Hier wird über Fragen der Steuerung („Wir haben das beste Gesundheitssystem, aber nicht die gesündesten Menschen“) und der Bezahlbarkeit diskutiert. Maria-Lena Weiss sah in Ambulantisierung und minimalinvasiven Interventionen das Potenzial, Kosten zu reduzieren und Innovationen anzustoßen. Ein sinnvoller Ansatz, wären da nicht Umfragen, auf die sich Julia Steckeler bezog: Im Zuge der europäischen Medizinprodukteverordnung MDR haben Hersteller Forschungs- und Entwicklungskapazitäten zurückgefahren und teils in Nicht-EU-Länder verlegt. Der Trend habe bei ihr „Alarm und Sorge“ ausgelöst, bestätigte Maria-Lena Weiss. Ursächlich seien verschiedene Faktoren. Energie- und Lohnkosten gehörten dazu; um Bürokratie abzubauen, werde Hand an Berichtspflichten und Doppelmeldungen gelegt. Deutschland brauche wieder „ein gründerfreundliches Umfeld“, kein „Goldplating“, also keine Übererfüllung von Vorgaben „über das europäische Mindestmaß hinaus“.
Mit den rund 30 „Tech & Tacheles“-Premierengästen entwickelte sich eine lebhafte, offene Diskussion. „Wir haben eine Stimme in Berlin, aber auch stark dafür gekämpft“, wurde aus den Reihen der Medizintechnik hingewiesen. Jedoch werde weiterhin eine Diskrepanz wahrgenommen: Die Branche sei „im Gesundheitsministerium Kostenfaktor, im Wirtschaftsministerium wichtiger Player.“ Man vermisse daher noch immer die Anerkennung, die „große Leitlinie“ und auch Mut für die Zukunft: „Risikobegrenzung wird fälschlicherweise als Fortschritt deklariert.“
„Es geht darum, miteinander ins Gespräch zu kommen“, hatte Julia Steckeler das neue Format „Tech & Tacheles“ charakterisiert. Ganz in diesem Sinne fielen für Maria-Lena Weiss die Kernbotschaften des Abends aus: Dialog verstetigen, Druck hochhalten – und die Expertise vor allem der kleineren und mittleren Medizintechnik-Firmen annehmen.